Der nächste Vertrag wäre möglich. Das Projekt ist interessant, die Arbeitsgruppe vertraut. Gleichzeitig fragst du dich, wie oft du dein Leben noch um eine befristete Stelle organisieren möchtest. Vielleicht würdest du gern bleiben. Vielleicht hält dich vor allem der Gedanke, dass die bisherigen Jahre sonst vergeblich gewesen wären.
Eine Karriereentscheidung nach dem Postdoc berührt Einkommen, Zugehörigkeit, fachliche Identität und private Wünsche. Es lohnt sich, diese Fragen rechtzeitig auseinanderzuhalten.
Der Überblick zu Coaching in der Wissenschaft zeigt, wie Karriereentscheidungen, Führung und Arbeitsbedingungen zusammenhängen. Hier geht es um die Frage, welche berufliche Richtung für dich passt.
Karriere nach dem Postdoc: Was die Daten tatsächlich sagen
Eine 2025 in PNAS veröffentlichte Studie untersuchte 45.572 Karriereverläufe mit Postdoc-Phase. 41 Prozent der erfassten Personen wechselten anschließend aus der akademischen Laufbahn in eine nichtakademische Position. Die Daten verbinden Publikationen mit öffentlichen beruflichen Lebensläufen und umfassen einen historischen Zeitraum von 25 Jahren. [1]
Der Bundesbericht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase 2025 zeigt für Deutschland einen weiteren Aspekt: 90 Prozent des promovierten hauptberuflichen wissenschaftlichen und künstlerischen Hochschulpersonals unter 40 Jahren, ohne Professuren, waren 2022 befristet beschäftigt. [2]
Beide Befunde beschreiben Rahmenbedingungen. Die PNAS-Auswahl ist keine repräsentative Prognose deiner Berufungschancen; die deutsche Befristungsquote lässt sich nicht direkt auf Österreich übertragen. Dennoch geben die Daten Anlass, mehrere berufliche Wege bewusst zu prüfen. Deine persönliche Entscheidung braucht zusätzlich Informationen zu Fachgebiet, konkreten Stellen und Lebenssituation.
Karrierewege nach dem Postdoc: Tätigkeiten statt Etiketten vergleichen
„Wissenschaft“ und „Wirtschaft“ sind große Begriffe. Eine Forschungsstelle in einem Unternehmen kann dir mehr fachliche Vertiefung ermöglichen als eine akademische Position mit umfangreicher Administration. Eine Funktion im Wissenschaftsmanagement wiederum verbindet Hochschulnähe mit einem anderen Aufgabenprofil.
Beginne deshalb mit Tätigkeiten. Welche Teile deiner aktuellen Arbeit möchtest du behalten? Sind es offene Forschungsfragen, Datenanalyse, Schreiben, Lehre, Zusammenarbeit oder das Gestalten eines Projekts? Welche Aufgaben kosten dich Energie, ohne dass du sie künftig in diesem Umfang übernehmen möchtest?
Entscheidungsmatrix für deine Karriere nach dem Postdoc
Wähle vier oder fünf Kriterien, die für die nächsten Jahre relevant sind. Das können fachliche Freiheit, Standort, finanzielle Planbarkeit, Arbeitszeit oder Entwicklungsmöglichkeiten sein. Lege bei jedem Kriterium fest, was unverzichtbar und was verhandelbar ist.
Trage für jede konkrete Option belegbare Angaben in eine kleine Entscheidungsmatrix ein. Die folgende Vorlage zeigt, welche Fakten und offenen Fragen du unterscheiden kannst:
| Kriterium | Zu dokumentierender Fakt | Offene Frage |
|---|---|---|
| Planbarkeit | Vertragslaufzeit und Befristung | Welche Perspektive besteht nach Vertragsende? |
| Arbeitsinhalt | Aufgaben im Stellenprofil | Wie verteilt sich die Zeit auf diese Tätigkeiten? |
| Standort | Arbeitsort und Präsenzvorgaben | Passt der tatsächliche Alltag zu meinen privaten Verpflichtungen? |
| Entwicklung | Benannte Verantwortung und Lernangebote | Welche davon stehen mir konkret offen? |
Fehlende Informationen bleiben als offene Fragen sichtbar. Eine attraktive Vorstellung von einer Stelle ist noch kein belegter Vorteil.
Reflexionsfrage zur akademischen Laufbahn
Wenn niemand deine Entscheidung als Erfolg oder Scheitern bewerten würde: Welche konkrete Arbeit würdest du als Nächstes ausprobieren wollen?
Die Antwort ersetzt keine Prüfung des Arbeitsmarkts. Sie hilft dir aber, eigene Wünsche von vermuteten Erwartungen anderer zu unterscheiden. Beides darf in deiner Entscheidung vorkommen, sollte jedoch sichtbar bleiben.
Karriere außerhalb der Wissenschaft: Passende Tätigkeiten erkennen
Für die Entscheidung hilft ein Blick auf deine bisherigen Aufgaben. Wer ein Forschungsprojekt koordiniert hat, bringt möglicherweise Erfahrung damit mit, unter Unsicherheit zu planen, Arbeitsschritte abzustimmen und Ergebnisse nachvollziehbar zu dokumentieren. Welche davon möchtest du in einer anderen Umgebung weiterentwickeln?
Prüfe dazu konkrete Tätigkeitsprofile. Datenanalyse in einem Unternehmen, industrielle Forschung und Wissenschaftsmanagement können unterschiedliche Anforderungen stellen, obwohl sie teilweise ähnliche Erfahrungen nutzen. Fachliche Nähe allein sagt noch wenig darüber aus, ob dir der Arbeitsalltag liegt.
Berufliche Möglichkeiten zunächst als Hypothesen behandeln
Formuliere zunächst eine Vermutung: „Eine Tätigkeit mit analytischer Arbeit und Projektabstimmung könnte zu mir passen.“ Überprüfe sie in Gesprächen und anhand realer Aufgaben. So wird aus einer allgemeinen Alternative eine prüfbare Option.
Wenn du eine Richtung gewählt hast, folgt die Bewerbung außerhalb der Wissenschaft. Dort geht es um Lebenslauf, verständliche Kompetenzbelege, Bewerbungsgespräch und den Einstieg in eine neue Rolle.
Berufliche Alternativen zur akademischen Forschung erkunden
Eine Alternative wird greifbar, wenn du mit Menschen sprichst, die diese Arbeit bereits machen. Wähle zunächst zwei mögliche Tätigkeitsfelder, etwa industrielle Forschung und Entwicklung, Datenanalyse, Wissenschaftsmanagement oder fachnahe Beratung. Welche davon passen, hängt von deinem Fach und deinen Erfahrungen ab.
Suche über Alumni, frühere Kooperationen oder dein Career Center nach Gesprächspartnern. Bitte um ein kurzes Informationsgespräch über deren Arbeitsalltag.
Fragen für ein Karrieregespräch außerhalb der Wissenschaft
Frage, woran gute Arbeit in der jeweiligen Position gemessen wird, welche Aufgaben besonders viel Zeit beanspruchen und welche Schwierigkeiten beim Einstieg aus der Wissenschaft auftreten. Interessant ist auch, welche Annahmen über die Branche sich für dein Gegenüber als falsch erwiesen haben.
Notiere nach jedem Gespräch neue Fakten und offene Fragen getrennt. „Das klingt dynamisch“ ist zunächst ein Eindruck. „Projektprioritäten werden monatlich neu vereinbart“ ist eine konkrete Information, die du mit deinen Bedürfnissen vergleichen kannst.
Ergänze diese Gespräche durch aktuelle Stellenanzeigen. Welche Anforderungen begegnen dir mehrfach? Welche kannst du bereits belegen? Wo fehlt Erfahrung? Ein kleiner Lernschritt kann sinnvoll sein; eine lange Weiterbildung solltest du erst nach einer begründeten Zielentscheidung planen.
Eine Karriereentscheidung treffen, bevor der Vertrag entscheidet
Unsicherheit lässt sich nicht vollständig beseitigen. Du kannst ihr aber einen Arbeitsrahmen geben. Setze einen Termin für deine Entscheidung und definiere, welche Informationen du bis dahin beschaffen möchtest.
Ein möglicher Erkundungszeitraum umfasst sechs Wochen: Kriterien klären, drei Gespräche führen, zwei Tätigkeitsprofile prüfen und anschließend die Optionen vergleichen. Die Dauer ist ein praktischer Vorschlag, keine wissenschaftlich bestimmte Idealfrist.
Auch das Bleiben als konkrete Entscheidung formulieren
Wenn du in der Wissenschaft bleiben möchtest, benenne die Bedingungen: Welche Entwicklung soll die nächste Stelle ermöglichen? Welche Betreuung oder Ausstattung brauchst du? Wann wirst du erneut prüfen, ob die Richtung noch passt?
Berücksichtige dabei finanzielle Verpflichtungen, Betreuungspflichten und die Zeit, die Bewerbungen benötigen. Ein bewusster Übergang kann schrittweise erfolgen. Bereits investierte Jahre erklären deine Verbundenheit mit der Wissenschaft; für den nächsten Schritt zählt zusätzlich, welche Zukunft die jeweilige Option eröffnet.
Karrierecoaching für Forschende: Die eigene Richtung klären
Manchmal liegen genügend Informationen vor, und die Entscheidung bleibt trotzdem schwer. Dann geht es möglicherweise um Loyalität, Selbstbild oder die Sorge, Erwartungen zu enttäuschen. Im Coaching können wir diese Ebene mit den praktischen Fragen verbinden und die nächsten Erkundungsschritte festlegen.
Meine Managementerfahrung bringt dabei eine Perspektive auf Anforderungen und Zusammenarbeit in Unternehmen ein. Im Karriere Coaching klären wir, welche Bedingungen deine nächste berufliche Phase erfüllen soll. Fachspezifische Informationen und Kontakte deines Career Centers können diese Arbeit ergänzen.
Ein guter erster Schritt ist eine kleine Liste: Welche drei Tätigkeiten möchtest du in deinem nächsten Job regelmäßig ausüben, unabhängig vom Sektor?
